100.000 Euro im Monat? Rechnen wir das mal durch.

„100.000 im Monat in zwölf Monaten.”
„Das Marketing macht künftig die KI.”

Beide Sätze begegnen mir seit Monaten fast täglich, der eine im Coaching-Markt, der andere in jedem zweiten Tool-Newsletter. Beide klingen verlockend. Und beide lassen sich in zehn Minuten überprüfen, wenn man weiß, wie.

Ganz ehrlich: Ich habe früher auch nur gestaunt und ein diffuses Unbehagen gespürt. Bis ich angefangen habe, solche Versprechen konsequent durchzurechnen, bevor irgendjemand Geld ausgibt. Seitdem ist aus dem Unbehagen ein Werkzeug geworden, und das gebe ich dir hier.

Ein Versprechen, das sich nicht in Reichweite, Zeit und Geld umrechnen lässt, ist keins. Es ist eine Stimmung.

Die Rechnung, die alles offenlegt

Jedes Umsatzversprechen im Online-Geschäft hängt an derselben Kette. Vier Schritte, Grundschulmathematik, und du brauchst nichts als einen Taschenrechner.

  • Zielumsatz geteilt durch Produktpreis ergibt die Zahl der nötigen Verkäufe.

  • Verkäufe geteilt durch die Kaufquote ergibt die Zahl der nötigen Leads.

  • Leads mal Lead-Preis ergibt das Werbebudget.

  • Leads geteilt durch die View-zu-Lead-Quote ergibt die nötige Reichweite, falls du nichts bezahlen willst.

Das war es. Diese vier Zeilen entscheiden, ob ein Angebot eine Strategie beschreibt oder eine Hoffnung.

Eine Modellrechnung, damit es anfassbar wird

Alle Zahlen hier sind frei gewählte Annahmen, kein realer Fall. Nimm sie als Muster und setz deine eigenen ein.

Angenommen, du willst 50.000 Euro Umsatz im Monat, dein Kurs kostet 500 Euro. Das sind 100 Verkäufe im Monat, also gut drei pro Tag, jeden Tag, auch sonntags.

Verkauft wird über ein Webinar. Eine Kaufquote von 3 Prozent ist dafür eine wohlwollende Annahme. Also brauchst du rund 3.300 Leads im Monat, etwa 110 pro Tag.

Kaufst du diese Leads über Anzeigen, kostet dich ein Lead sagen wir 4 Euro. Macht 13.300 Euro Werbebudget im Monat, bevor irgendetwas anderes bezahlt ist.

Willst du stattdessen organisch wachsen, brauchst du bei einer View-zu-Lead-Quote von 1 Prozent rund 330.000 Views im Monat. Also über 11.000 pro Tag. Jeden Tag.

An dieser Stelle wird aus einer Zahl eine Aussage. Wer dir 50.000 Euro im Monat verspricht, verspricht dir in Wahrheit fast vier Millionen Views im Jahr oder ein Werbebudget von 160.000 Euro. Und die Frage ist nur noch: Wer bringt das mit, du oder der Anbieter?

Der Teil, den niemand zeigt: was davon übrig bleibt

Umsatz ist nicht Einkommen. Diese Kette wird in Verkaufsvideos nie gezeigt, und sie ist der eigentliche Grund, warum die Versprechen funktionieren.

Von den 50.000 Euro gehen ab: die Umsatzsteuer, also rund 8.000 Euro. Dann die Rückerstattungen, bei Online-Kursen mit Widerrufsrecht sind fünf bis zehn Prozent normal, hier gerechnet mit sieben. Dann die Gebühren des Zahlungsanbieters, meist zwei bis fünf Prozent. Dann die 13.300 Euro Werbekosten von oben. Dann Tools und Software, Kursplattform, Mailtool, Webinar-Technik, Hosting, sagen wir 300 Euro. Und am Ende die Einkommensteuer, hier grob mit 35 Prozent angesetzt.

Aus 50.000 Euro Umsatz werden in dieser Modellrechnung rund 15.800 Euro, die tatsächlich bei dir ankommen. Knapp ein Drittel.

Was zu gut klingt, rechnet sich nicht.

Das ist keine schlechte Zahl. Aber es ist eine andere Zahl als die auf der Verkaufsseite, und sie verändert jede Entscheidung, die du auf ihrer Grundlage triffst.

Und die Zeit

Ein Kurs mit Webinar-Funnel ist kein Nebenprojekt. Nach unserer Erfahrung liegen allein im Aufbau rund 150 Arbeitsstunden, verteilt auf Konzept, Produktion, Webinar, Landingpage, Mailstrecke und Technik. Das sind etwa vier volle Arbeitswochen, bevor der erste Euro fließt.

Danach kommen rund 14 Stunden pro Woche dazu, für Content, Anzeigen-Creatives, Community und die Betreuung der Kampagnen. Das ist ein zweiter Halbtagsjob, dauerhaft.

Auch das sind Annahmen, keine Messwerte. Aber sie sind näher an der Wahrheit als die Null, die in den meisten Angeboten steht.

Das zweite Versprechen: „Das macht die KI”

Die Effizienzvariante klingt harmloser und ist deshalb hartnäckiger. Sie lautet ungefähr: Du brauchst kein Team und keine Agentur mehr, die KI übernimmt dein Marketing.

Das ist zur Hälfte wahr, und die falsche Hälfte ist teuer.

Was KI wirklich abnimmt: Varianten in großer Zahl, Tempo bei Rohentwürfen, Recherche und Vorsortierung, Strukturvorschläge, erste Fassungen von allem. Wir bei FLUGSAM arbeiten täglich damit und sagen das offen. Der Zeitgewinn ist real.

Was sie nicht abnimmt: Nachfrage. Vertrauen. Reichweite. Und die Entscheidung, was überhaupt gebaut werden soll.

Der Satz, den ich mir selbst über den Schreibtisch gehängt habe: KI baut Produkte, aber keine Nachfrage. Die Engstelle war nie die Produktion. Sie war immer der Traffic und das Vertrauen. Ein Werkzeug, das die Produktion beschleunigt, macht die Engstelle nicht weiter, es füllt sie schneller.

Und jetzt rechne das Effizienzversprechen mit derselben Kette durch. Wenn die KI dein Marketing macht, wo kommen die 330.000 Views her? Wer bezahlt die 13.300 Euro? Wenn darauf keine Antwort kommt, ist es kein Effizienzversprechen, sondern eine Auslassung.

KI ist ein genialer Co-Pilot. Sie ist nie die Pilotin.

Drei Muster, für die du keine Tabelle brauchst

Manchmal reicht der gesunde Menschenverstand, und er ist schneller als jede Rechnung.

Der Zirkelschluss. Jemand erzeugt Reichweite, indem er Reichweite verspricht. Das Produkt ist der Beweis für das Produkt. Das kann funktionieren, es kann aber genauso gut ein Perpetuum mobile sein, das nur für den läuft, der es verkauft. Prüffrage: Funktioniert die Methode auch in einem Markt, in dem es nicht um Methoden geht?

Die Garantie mit Kleingedrucktem. Geld zurück, wenn es nicht klappt, klingt nach geteiltem Risiko. Steht dahinter die Bedingung, dass das vorgegebene Schema eins zu eins umgesetzt wurde, ist das Risiko vollständig bei dir. Denn wer alle Bedingungen erfüllt, hätte vermutlich auch so verkauft, und wer sie nicht erfüllt, bekommt kein Geld. Prüffrage: Wer entscheidet, ob ich mich an das Schema gehalten habe?

Die immer gleichen fünf Erfolgsgeschichten. Eine Kohorte hatte angeblich hunderte Teilnehmerinnen, gezeigt werden dieselben fünf. Das ist selbst eine Rechnung: Fünf von dreihundert sind knapp zwei Prozent. Nicht die fünf sind die Auskunft, sondern die 295, die nicht vorkommen. Prüffrage: Wo sind die anderen, und darf ich mit zweien von ihnen sprechen, die ich mir selbst aussuche?

Der ehrliche Twist

Jetzt kommt der Teil, der mir selbst unangenehm ist.

Diese Rechnung entlarvt nicht nur fremde Versprechen. Sie entlarvt auch die eigenen. Ich habe sie schon für Kundinnen aufgemacht, die keinerlei Anbieter im Nacken hatten, sondern nur eine Zahl im Kopf, in die sie sich verliebt hatten. Die Kette ist unbestechlich, und das tut weh, wenn sie die eigene Idee trifft.

Und noch etwas: Ein großes Versprechen ist nicht automatisch unehrlich. Es gibt Menschen, die 100.000 im Monat machen. Unehrlich wird ein Versprechen erst, wenn die Kette verschwiegen wird, die dahintersteckt, und wenn das Risiko beim Käufer landet, während die Sicherheit beim Verkäufer bleibt.

Deshalb geht es hier nicht darum, wer ein:e Betrüger:in ist. Das kann ich nicht beurteilen und du meistens auch nicht. Es geht darum, was geprüft gehört, bevor Geld fließt.

Und falls du schon einmal auf so ein Angebot hereingefallen bist: Das sagt nichts über deine Urteilskraft. Diese Versprechen sind handwerklich sehr gut gemacht, sie zielen auf einen echten Wunsch, und sie kommen meistens genau in dem Moment, in dem man ihn am dringendsten hat.

Die vier Fragen, die du stellen kannst

Bevor du das nächste Mal etwas buchst, das dir Wachstum verspricht, frag den Anbieter genau das:

  1. Wie viele Verkäufe brauche ich für die versprochene Zahl, und zu welchem Preis?

  2. Mit welcher Kaufquote rechnet ihr, und woher stammt sie?

  3. Was kostet ein Lead in meinem Markt, und wer bezahlt das Budget?

  4. Wie viel Reichweite setzt das voraus, und habe ich die oder soll ich sie erst aufbauen?

Wer darauf klare Zahlen liefert, verdient dein Vertrauen, auch wenn die Zahlen groß sind. Wer ausweicht, wer von Mindset spricht oder dir erklärt, dass Rechnen limitierendes Denken sei, hat dir gerade die wichtigste Auskunft gegeben, die du brauchst.

Was wäre, wenn du es einmal für dein eigenes Vorhaben durchrechnest?

Genau das mache ich im Klarheits-Gespräch. Wir nehmen deine Zahlen, nicht meine, und legen die Kette offen: was dein Ziel an Verkäufen, Leads, Budget und Reichweite voraussetzt, und ob der Weg dahin zu deinem Leben passt.

Manchmal ist das Ergebnis ein Plan. Manchmal ist es die Erkenntnis, dass ein kleineres Ziel dich schneller dahin bringt, wo du eigentlich hinwillst. Beides ist ein gutes Ergebnis, und beides bekommst du ohne Verkaufsgespräch im Nacken.

Wer rechnen kann, ist ECHT im Vorteil.

→ Klarheits-Gespräch vereinbaren

Svenja Lange-von Oertzen

Kreativstrategin mit Faible für Schönes & Schlaues

https://www.flugsam.de
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Woran erkennst du eigentlich, dass ich echt bin?