Woran erkennst du eigentlich, dass ich echt bin?

Neulich saß ich in einem Video-Call, in dem ein KI-Experte Mühe hatte zu beweisen, dass er selbst kein Avatar ist.

Kein Sketch, kein Vortrag über Deepfakes. Ein normaler Termin unter Fachleuten, in dem plötzlich niemand mehr sicher sagen konnte, ob der Mensch auf dem Bildschirm ein Mensch ist.

Und ganz ehrlich: Wir haben gelacht. Aber es war das Lachen, das man macht, wenn einem etwas ein bisschen kalt den Rücken runterläuft.

Bei mir hat es mit einem Mini-Kühlschrank angefangen

Ich arbeite seit über zwanzig Jahren online. Ich baue Websites, ich weiß, woran man Murks erkennt, ich bin schwer zu beeindrucken.

Trotzdem habe ich vor Kurzem einen Mini-Kühlschrank bei einem Lidl bestellt, den es nicht gibt. Ein Plagiat, sauber gebaut, mit allem, was dazugehört. Ich habe nicht misstraut, weil es nichts gab, dem man hätte misstrauen können.

Kurz darauf kam eine E-Mail bei uns an, in der jemand aus meiner Familie um die Eingabe von Kontodaten gebeten wurde. Auch hier war das Design vom Original nicht mehr zu unterscheiden. Keine krumme Anrede, keine Rechtschreibfehler, kein Bauchgefühl, das anspringt.

Inzwischen habe ich mit meinen Eltern ein Kennwort vereinbart. Ein Wort, das wir nennen, wenn wirklich etwas ist, damit sie sicher sein können, dass am Telefon ich bin und nicht meine geklonte Stimme.

Das Foto ist KI-animiert… oder?

Ich hielt mich dabei kurz für übervorsichtig. Dann habe ich nachgesehen: Die polizeiliche Kriminalprävention empfiehlt genau das, ein Codewort in der Familie, das eine KI nicht kennen kann.

Wenn die Polizei Familien rät, sich gegenseitig zu authentifizieren, dann ist das keine Randerscheinung mehr.

Die Zahlen sind unspektakulär, und genau deshalb unangenehm

Der Cybersicherheitsmonitor 2026 von BSI und Polizei (3.060 Befragte ab 16 Jahren, erhoben im Januar 2026) sagt: Jede zehnte Person in Deutschland war allein im vergangenen Jahr von Kriminalität im Netz betroffen. Die häufigste Masche ist Betrug beim Online-Shopping. 88 Prozent der Betroffenen hatten einen Schaden, bei einem Drittel war er finanziell.

Der Fakeshop-Finder der Verbraucherzentralen hat im März 2026 den hunderttausendsten Fake-Shop erkannt. Hunderttausend. Seit dem Start vor dreieinhalb Jahren haben Menschen dort fast elf Millionen Mal nachgeschlagen, ob ein Shop echt ist.

Die interessanteste Zahl steht aber in der Sonderauswertung zu Online-Betrug und KI: Knapp die Hälfte der Menschen glaubt, KI-generierte Inhalte erkennen zu können. Tatsächlich recherchiert nur ein Fünftel die Quelle, und ein knappes Drittel prüft überhaupt nichts.

Wir halten uns für wachsam und sind es nicht. Das ist die eigentliche Lage.

Der Satz, um den es geht

Früher musste der Betrüger sich anstrengen, echt auszusehen.

Heute musst du dich anstrengen, nicht wie eine Fälschung zu wirken.

Die Beweislast hat sich umgedreht. Und weil das leise passiert ist, arbeiten die meisten von uns noch nach den alten Regeln.

Was das für dich heißt, wenn du online arbeitest

Perfektion ist verdächtig geworden

Das ist die unbequemste Folge, und sie widerspricht allem, was wir zwanzig Jahre lang gemacht haben.

Je makelloser eine Seite aussieht, desto mehr ähnelt sie einer gut gemachten Fälschung. Das Hochglanz-Foto, der geschliffene Text, die perfekt ausgerichtete Bildwelt: Das kann inzwischen jeder in einer Stunde erzeugen, auch jemand, der dir dein Geld abnehmen will.

Was früher Stockfotos waren, ist heute KI. Und was früher nach Qualität aussah, sieht heute nach Baukasten aus.

Nachprüfbar schlägt schön

Vertrauen entsteht gerade nicht mehr über Ästhetik, sondern über Spuren, die man nachgehen kann. Ein Impressum, das stimmt, eine Adresse, die es gibt, eine Telefonnummer, unter der jemand rangeht, echte Fotos von echten Menschen mit Namen, eine eigene Domain in der Mailadresse statt einer Freemail-Adresse, und ein Auftritt, der über Website, Instagram, Angebot und Rechnung hinweg zusammenpasst.

Das klang jahrelang nach Ordnungsliebe. Es ist inzwischen ein Sicherheitsmerkmal.

❌ Sieht professionell aus

✅ Lässt sich überprüfen

Gib deinen Kundinnen ein Kennwort

Das ist der Teil, den fast niemand macht, und er kostet nichts.

Was ich mit meinen Eltern vereinbart habe, funktioniert auch geschäftlich, nur öffentlich. Schreib auf deine Website, wie du dich meldest und wie ausdrücklich nicht. Etwa so: Ich frage dich nie per E-Mail nach Zugangsdaten. Rechnungen kommen immer aus dieser einen Adresse. Zahlungsaufforderungen schicke ich nie über WhatsApp. Wenn dich etwas erreicht, das anders aussieht, ruf mich an.

Das ist ein Absatz. Er macht deine Kundinnen sicherer und dich schwerer zu fälschen, weil jede Kopie an einem Versprechen scheitert, das sie nicht kennt.

Sag, wo KI mitgearbeitet hat

Drei Viertel der Menschen wollen wissen, wann KI im Spiel ist. Wir bei FLUGSAM arbeiten täglich damit und sagen das offen, weil es der Unterschied zwischen einem Co-Piloten und einer Täuschung ist. Wer verschweigt, dass eine Maschine mitgeschrieben hat, riskiert genau den Vertrauensbruch, um den es hier geht.

Der unbequeme Teil

Das alles hat einen Preis, und der heißt Bequemlichkeit.

Eine echte Adresse zu veröffentlichen ist unangenehmer, als es zu lassen. Ein echtes Foto von sich zu zeigen ist unangenehmer als ein generiertes. Sich festzulegen, wie man kommuniziert, ist unangenehmer, als sich alles offenzuhalten.

Nachprüfbarkeit kostet Angreifbarkeit. Das ist kein Nebeneffekt, das ist der Mechanismus. Genau weil es etwas kostet, ist es ein Beweis.

Und ja, das ist ein Argument für deine eigene Website

Die Frage, die mir seit einem Jahr in fast jedem Erstgespräch begegnet, lautet: Lohnt sich eine richtige Website 2026 überhaupt noch, wo doch alles über Social Media und KI-Suche läuft?

Hier ist die Antwort, die ich vor zwei Jahren noch nicht gegeben hätte.

Ein Profil ist in zehn Minuten nachgebaut. Handle geklaut, Bilder kopiert, Bio abgeschrieben, und für deine Kundin sieht es aus wie du. Eine gewachsene eigene Seite dagegen hat eine Historie, eine Domain mit Alter, ein Impressum mit Haftung, Inhalte, die über Jahre entstanden sind, und Spuren, die man nicht in einem Nachmittag fälscht.

Social Media ist ein gemietetes Grundstück. Deine Website ist die Adresse, unter der du beweisbar wohnst.

Fundament vor Fassade. Der Satz war schon immer richtig, aber die Begründung hat sich geändert.

Was wäre, wenn deine Website beweisen könnte, dass du es bist?

Die meisten Seiten, die ich mir ansehe, sind nicht unseriös. Sie sind nur nicht überprüfbar: Stockfotos statt Gesichtern, ein Impressum aus der Vorlage, ein Kontaktformular ohne Absender und ein Ton, der überall so stehen könnte.

Das fällt niemandem auf, solange alles gut geht. Und es fällt sofort auf, sobald jemand kurz zögert.

Wenn du wissen willst, woran deine Seite gerade erkennbar du ist und woran nicht, lass uns eine halbe Stunde draufschauen. Kostenlos, ohne Verkaufsgespräch im Nacken, mit ehrlicher Ansage, auch dann, wenn die Antwort lautet, dass du gerade etwas anderes brauchst als eine neue Website.

Klarheits-Gespräch vereinbaren

Quellen

BSI und Polizeiliche Kriminalprävention, Cybersicherheitsmonitor 2026 (3.060 Befragte ab 16 Jahren, Erhebung 6. bis 12. Januar 2026): bsi.bund.de

BSI, Sonderauswertung „Online-Betrug & Künstliche Intelligenz”, April 2026: bsi.bund.de

Verbraucherzentralen, Fakeshop-Finder erkennt den 100.000. Fake-Shop, März 2026: hessen.de

Polizeiliche Kriminalprävention, Deepfake-Betrug und Codewort-Empfehlung: polizei-beratung.de

Svenja

Kreativstrategin mit Faible für Schönes & Schlaues

Recherche und Rohfassung dieses Textes sind mit Claude entstanden. Die Beobachtungen, die Beispiele und die Haltung sind meine, die Endfassung auch.

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